28.05.2015 Reise in die schneeumringten Sterne

Lass uns eine Reise unternehmen. Lehn dich zurück und schließe Deine Augen (ok, auf den Text blinzeln ist erlaubt). Wir werden einen Ort aufsuchen der eine Reise wert ist, nicht nur einen Umweg. Zuerst befreien wir das Auto von seinem frostigen Pelz und fahren bei strahlendem Sonnenschein und 2,3°C eine wunderschöne, wilde Küste entlang, folgen Buchten und Bergen, durchqueren Raureif-bedeckte Wiesen bis wir neben dem Copland River das Auto zurücklassen.

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Das letzte Dorf liegt schon viele Kilometer zurück und vor uns erstreckt sich weiterhin die fast unbewohnte, wild wuchernde Westküste unter einem frostigen Mantel.

Mit dem Rucksack auf dem Rücken und einem warmen Tee im Bauch suchen wir uns einen Weg durch den ersten Fluss. Da noch 7 Stunden des Wanderns vor uns liegen wollen wir unsere Schuhe natürlich nicht gleich mit eisigem Wasser füllen sondern bauen uns einen Weg aus großen Steinen.

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Nun folgen wir dem Tal entlang des Flusses durch den Regenwald. Überall sind die Spuren der Wassermassen zu sehen die hier normalerweise hindurchrauschen. Stell dir mal 7 Meter Niederschlag pro Jahr vor die durch diese Flüsse und Schluchten rauschen.

Der Weg führt durch den Neuseeländischen Regenwald, der von der letzten Nacht noch mit Frost überzogen ist. Wo immer die Bäume etwas lichter stehen ist ein Übergang wie in eine andere eisige Welt.

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7 Stunden geht der Weg bergan und viele weitere Flüsse und Erdrutsche wollen überquert werden. Links und rechts rauschen immer wieder Wasserfälle über die Felskanten und ergießen sich brausend in den Fluss, an dessen Ufern sich das Sonnenlicht in den Eiskristallen bricht.

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Zum Glück finden wir bei den größeren Flüssen und Schluchten einige sehr lange Hängebrücken, die uns einen weiten Weg ersparen.

P1060102Um die Mittagszeit gelangen wir zu einer kleinen Not-Hütte an der wir unseren Mittags-Imbiß aus selbstgebackenem Brot verzehren. Nach der Stärkung geht es weiter bergauf und in die schneebedeckten Berge hinein. Als die Sonne beginnt sich langsam hinter den Bergen zu verstecken liegen die letzten Kilometer vor unseren inzwischen müden Füßen und wir können das Kohlenfeuer der Hütte schon riechen. Mit den letzten Lichtstrahlen schlurfen wir in die  Welcome-Flat Hütte. Dort werden wir von einem gemütlich glühenden Kohlenfeuer begrüßt und können hinter den Bäumen schon die großen Dampfschwaden der heißen Quellen aufsteigen sehen.

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Nachdem wir unsere Schlafsäcke ausgerollt haben kochen wir uns einen Tee und etwas zu essen und waschen schnell noch das Geschirr ab. Dann geht es hinaus in die dunkle Kälte unter dem Sternenklaren Himmel. Ungefähr 200m von der Hütte entfernt finden wir einen kleinen Unterstand in den wir uns umziehen können, was bei –5 Grad sehr schnell geht, und dann geht es auf schmerzenden eiskalten und nackten Füßen über spitze Steinchen und gefrorenes Gras zu den warmen Tümpeln. Dort erwartet uns weicher Schlamm, wohlige Wärme und blubbernde Blasen in die wir uns zurücklehnen und das Panorama der vom Mondlicht beschienenen, schneebedeckten Berge genießen können, während über uns die Sternschnuppen über den klaren Himmel rasen und der Wasserdampf genüsslich um uns herumwabert.

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Irgendwann stellen wir dann fest, dass das abtrocknen und umziehen um so länger zu dauern scheint, je kälter der Boden ist auf dem die bloßen und nassen Füße stehen. Und so geht es dann flotten Schrittes in den Schlafsack.

Der nächste Tag begrüßt uns mit einem immer noch klaren Himmel und lädt zu einem schnellen Sprung in das heiße Wasser ein. Der einzige Nachteil des vorhandenen Lichtes ist, dass die visuellen Eindrücke der Tümpel nicht unbedingt einladend wirken.

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Aber wir können uns einen Kopfkissen-Stein suchen und uns zurücklehnen um die Sonne dabei zu beobachten wie sie langsam die Bergspitzen mit weichem Licht übergießt.

Alles hat einmal ein Ende und das Frühstück und der Rückweg erwarten uns. Alle anderen haben inzwischen die Hütte verlassen und auch wir machen uns auf den Rückweg über die vielen Hängebrücken um dann mit dem letzten Licht der Dämmerung müde und glücklich das Auto zu erreichen.

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5 Gedanken zu „28.05.2015 Reise in die schneeumringten Sterne“

  1. Welch eine schöne Wanderung habt ihr genossen.
    Wunderschöne Fotos die zum Träumen einladen.
    Dankeschön und noch eine gute Zeit dir in Neuseeland.
    Liebe Grüße und sei gesegnet und behütet.
    Anita

  2. Diesen Beitrag lese ich jetzt schon zum wiederholten Mal – er ist fantastisch geschrieben, finde ich, und die Fotos sind ebenfalls klasse!
    Noch viele solche traumhaft schöne Erlebnisse wünscht dir Marianne

  3. Wie schön, so eine Reise möchte ich auch mal machen. Wenn es bloß nicht so weit weg wäre! Total tolle Fotos und wirklich so geschrieben, dass man sich fühlt, als wäre man ein paar Schritte mit euch mitgegangen! Traumhaft!!!

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